Studentisches Wohnen. Zur Wohnsituation von Studierenden in NRW (2013)

Reihe "Wohnungsmarkt NRW - Thema" der NRW.BANK. Zusammenfassung mit Link zum Download

Zusammenfassung

Die Hochschullandschaft in Nordrhein-Westfalen ist vielfältig: An 54 Standorten im Land studieren mehr als 580.000 Studierende. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts werden jährlich noch bis zu 100.000 Studienanfänger erwartet. Der rege Zustrom an die Hochschulen des Landes stellt die örtlichen Wohnungsmärkte zum Teil vor immense Herausforderungen. Hier geben vor allem die unterschiedlichen Anteile der Studierenden an der Gesamtbevölkerung einen wichtigen Hinweis auf den Grad der Belastung: Insbesondere in Städten mit solitärer Lage konzentriert sich die studentische Wohnungsnachfrage fast ausschließlich auf den jeweiligen Hochschulstandort. Im Gegensatz dazu können Studierende in den Ballungszentren des Landes bei ihrer Wohnungssuche eher auf Nachbarkommunen ausweichen oder sogar aus ihrem Heimatort an die jeweilige Hochschule pendeln.

In den angespannten Märkten des Landes verschärfen steigende Studierendenzahlen die ohnehin bereits schwierige Situation im preisgünstigen Segment des Marktes. Hier stehen Studierende vor allem in direkter Konkurrenz um kleine Wohnungen zu anderen einkommensschwachen Haushalten, wie z.B. Haushalten von Transferleistungsempfängern oder Senioren, aber auch zu Familienwohnungen.

Dabei ist in Nordrhein-Westfalen immer noch das Elternhaus die häufigste Wohnform der Studierenden (28 %), gefolgt vom Wohnen in einer Wohngemeinschaft und dem Mieten einer Wohnung, allein oder mit dem Partner (alle ca. 20-22 %). Die verbleibenden 9 Prozent bewohnen ein Zimmer in einem Studentenwohnheim. Insgesamt suchen sich rund neun von zehn Studierenden ihre Unterkunft auf dem freien Markt.

Die durchschnittliche monatliche Belastung durch Miete und Nebenkosten von 35 Prozent variiert in Abhängigkeit vom zur Verfügung stehenden Budget. Sie erreicht Werte von über 40 Prozent bei den Studierenden im unteren (weniger als 640 € pro Monat) und rund 30 Prozent im obersten (über 944 € Pro Monat) Einkommensviertel.

Durchschnittlich geben Studierende 312 € pro Monat für Miete und Nebenkosten aus. Mit steigender Tendenz, denn die Mieten in den Hochschulstandorten des Landes verteuern sich. In nahezu allen Hochschulstädten haben sich die Mieten im Zeitraum zwischen 2008 und 2011 erhöht. In Münster und Aachen sogar um die zehn Prozent. Bei den Mieten im preisgünstigen Segment verzeichnen vor allem Hochschulstandorte mit angespannter Marktlage Zuwächse. Zwischen 6,75 und 7,23 € pro Quadratmeter müssen Studierende hier bezahlen. Die Anstiege der letzten Jahre liegen im Durchschnitt bei ca. 50 Cent je Quadratmeter.

Der Umgang mit der steigenden studentischen Nachfrage auf den Wohnungsmärkten verlangt nach ganz unterschiedlichen Lösungen. Dabei stellt der Neubau von Wohnraum für Studierende für den Ansturm auf die Hochschulen zum diesjährigen Wintersemester keine Lösung mehr dar. Allerdings könnten Neubauvorhaben, die in ihrer Grundkonzeption Raum für die Anforderungen anderer Nachfragergruppen lassen, perspektivisch Wohnungsengpässe bis zum Ende dieses Jahrzehnts abfangen. Die neuen Förderrichtlinien des Landes Nordrhein-Westfalen haben den Ansatz der flexiblen Nachnutzung zur Fördervoraussetzung gemacht und so die Möglichkeit zur Förderung studentischen Wohnraums wieder eingeführt.