Modellversuch KomWoB NRW

Der Modellversuch KomWoB NRW (1998-2001) trug wesentlich dazu bei, dass sich das Konzept der Wohnungsmarktbeobachtung auf lokaler Ebene verbreitete.

Hintergrund

Anlass für das Projekt war ein Gutachten, das der damalige Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR) im Jahr 1995, also in einer Phase noch angespannter Wohnungsmärkte, in Auftrag gab.

Das Gutachten sollte lokale Ansätze für eine kontinuierliche
Wohnungsmarktbeobachtung erheben und damit die Basis
für ein gemeinsames Beobachtungssystem der Ruhrgebietskommunen
bilden. Die Untersuchung machte deutlich, dass die Wohnungsmarktbeobachtung ein dringendes Anliegen der Kommunalpolitik ist – allerdings in kaum einer Kommune durchgeführt wird. Damals existierte nur in Dortmund, Oberhausen und ansatzweise in Essen eine regelmäßige Marktbeobachtung und -berichterstattung; ansonsten
gab es ähnliche Ansätze z. B. in München und Nürnberg. Das Dortmunder System, ab 1992 beim Stadtamt für Wohnungswesen aufgebaut, galt hinsichtlich Konzeption und Durchführung bundesweit als Vorreiter (vgl. Westphal 1994).

Als auf Basis des Gutachtens letztlich doch keine gemeinsame Marktbeobachtung für das Ruhrgebiet zustande kam, ergriff die Wohnungsbauförderungsanstalt NRW (Wfa) die Initiative: Sie war stark daran interessiert, ihr landesweites Beobachtungssystem zu ergänzen. Zudem erhoffte sie sich eine Stärkung des kommunalen Wohnungsmarkt-Knowhows und einen treffsicheren Einsatz der Fördermittel. Der Startschuss für den „Modellversuch kommunale Wohnungsmarktbeobachtung NRW“ (KomWoB) fiel 1997 mit zwei Informationsveranstaltungen; 1998 wurde die Beratungs- und Koordinierungsstelle bei der Wfa eingerichtet.

Ziel war es, nordrhein-westfälischen Kommunen die Möglichkeit zu geben, eigene Marktbeobachtungssysteme aufzubauen (vgl. Heitkamp 1999). Die Universität Dortmund und das Wohnungsamt der Stadt Dortmund beteiligten sich als Berater.

 

Projektleitung & -koordination

Dr. Thorsten Heitkamp, Dipl.-Ing. Raumplanung, Wfa (bis Ende 2001)


Wissenschaftliche Begleitung

Prof. Dr. Volker Kreibich M.A., Geograph,
Fachgebiet "Geographische Grundlagen der Raumplanung" an der Fakultät Raumplanung, Universität Dortmund (bis 2006)
Kontakt


Beratung

Dr. Helmut Westphal, Wohnungsamt, Stadt Dortmund (bis 2007)
Kontakt


Teilnehmer

Duisburg, Essen, Hagen, Hamm, Lünen, Witten, Unna, Lippstadt, Bielefeld, Münster, Mönchengladbach, Düsseldorf, Solingen, Kerpen, Aachen.
Ansprechpartner vor Ort & Details


 

Ergebnisse

Trotz zum Teil erheblicher Widrigkeiten (Kosten, Personalknappheit, andere politische Prioritäten) hat sich fast überall ein Beobachtungssystem etablieren können. Das im Modellversuch erarbeitete Konzept der kommunalen Wohnungsmarktbeobachtung hat auch über Nordrhein-Westfalen hinaus starke Resonanz gefunden.

Als wesentlich gelten folgende Faktoren:

  • Vernetzung: Im Rahmen des Modellversuchs bildeten sich Arbeitsgruppen zu speziellen Themen (z. B. Expertenbefragung Wohnungsmarktbarometer, Wanderungsmotivbefragungen). Da sich dieser Erfahrungsaustausch für die Arbeit aller Beteiligten sehr bewährt hatte, gründeten Wfa und Städte den „Initiativkreis kommunale Wohnungsmarktbeobachtung NRW“ (IK KomWoB) und setzen die Zusammenarbeit in diesem Rahmen fort.
  • Verbreitung: Der Modellversuch hat zur weiteren Verbreitung des Konzepts beigetragen: Während der Laufzeit 1998-2001 gelang es fast allen Städten, mindestens einen Bericht zu publizieren. In der Mehrzahl der Städte hat sich ein regelmäßiger Berichtsturnus etabliert.

    Je kleiner die Kommune, desto kürzer sind zwar die Wege in der Verwaltung, desto knapper aber auch die Kapazitäten. Gerade in Mittelstädten und kleineren Großstädten erscheinen die Marktberichte daher in größeren Abständen, weil sie im Wechsel mit anderen Aufgaben erledigt werden (z. B. Mietspiegel, Baulandprogramme). Zehn Jahre später betreiben 13 von ursprünglich 16 Städten die Wohnungsmarktbeobachtung.
  • Wohnungsmarkt-Kompetenz der Verwaltung: Die Zuständigkeiten für das Handlungsfeld Wohnen in den Verwaltungen sind meist auf zahlreiche Ämter und Dezernate verstreut.
    Mit der Federführung der Marktbeobachtung sind Mitarbeiter aus Statistik, Stadtentwicklung, Liegenschaften, Wohnen oder Sozialplanung betraut. Die intensive Arbeit mit Wohnungsmarktdaten und die vielfältigen Kontakte, die bei der Organisation der Daten und dem Berichtsmarketing
    entstanden sind, haben das Fachwissen der Beteiligten abrunden und über den Sozialwohnungssektor hinaus erweitern können. In einigen Städten haben sich die verantwortlichen Stellen nach innen wie nach außen zum ersten Ansprechpartner in Wohnungsmarktfragen entwickelt.

    Darüber hinaus sind beim Aufbau der Marktbeobachtung in vielen Städten zum ersten Mal verwaltungsinterne Arbeitsgruppen zum Thema Wohnen entstanden. Für das Gelingen der Zusammenarbeit hat es sich als vorteilhaft erwiesen, schon den Beschluss zum Aufbau einer laufenden kommunalen Wohnungsmarktbeobachtung unter Beteiligung
    möglichst vieler relevanter Ämter zu fassen und deren Beitrag auch intern zu kommunizieren. Mit der Vernetzung der unterschiedlichen Sichtweisen und Aktivitäten in der Verwaltung, insbesondere der strategischen-konzeptionellen Ebene mit der Durchführungsverwaltung, ist nicht nur die Qualität der Marktbeobachtung, sondern auch die des wohnungspolitischen Verwaltungshandelns deutlich gestiegen.
  • Regionalisierung: Die Erkenntnis, dass Wohnungsmärkte nicht an kommunalen Grenzen enden, ist zwar nicht neu. Dennoch gibt es – ganz im Gegensatz zu anderen Politikbereichen – auf der Ebene der Wohnungsmarktregionen kaum informelle Beziehungen, geschweige denn formale Kooperationen (Kreibich 1999; 2000). Im östlichen Ruhrgebiet haben einige KomWoB-Städte daher eine regionale
    Arbeitsgruppe gebildet, aus der sich seit 2004 der neue Modellversuch RegioWoB entwickelt hat. Ziel ist der Aufbau einer gemeinsamen Wohnungsmarktbeobachtung aller Kommunen der Region. Der zunächst recht unverbindliche, für alle aber wertvolle Informationsaustausch schafft Vertrauen und Vernetzung, die, so die Erwartung, die Basis
    für eine spätere vertiefte Zusammenarbeit auch auf konzeptioneller
    Ebene bilden können.

Dokumentation & weiterführende Literatur

wissenschaftliche Grundlagen