Fortschreibung des Gebäude- und Wohnungsbestands

Beschreibung der Datengrundlage

 

In langen und unregelmäßigen Intervallen werden alle Gebäude und Wohnungen in Deutschland per Totalerhebung statistisch erfasst. Die letzten vollständigen Gebäude- und Wohnungszählungen fanden in Westdeutschland 1968 und 1987 (im Rahmen der Volkszählung), in Ostdeutschland 1981 (DDR) und 1995 statt. Die nächste Totalerhebung ist im Rahmen des Zensus 2011 geplant. Zwischen den Zählungen halten die Statistischen Ämter die Bestandsdaten per Fortschreibung aktuell. 

Die Fortschreibung erfolgt unter Verwendung der Bautätigkeitsstatistik. Die Fortschreibung ist also keine eigenständige statistische Erhebung, sondern eine Ergebnisermittlung aus vorhandenen statistischen Daten.

Die Fortschreibung wird durchgeführt, indem der Bestand aus der letzten Totalzählung

  • um die jährlichen Fertigstellungen neuer Gebäude bzw. neuer Wohnungen in bestehenden Gebäuden erhöht und
  • um die jährlichen Bauabgänge vermindert

wird.

Fortgeschrieben wird nur ein Teil der Merkmale, die bei den Totalzählungen und in der Bautätigkeitsstatistik erhoben werden.

  • die Anzahl der Wohngebäude, untergliedert nach Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern,
  • die Anzahl der Wohnungen, untergliedert nach der Anzahl der Räume
  • die Gesamtzahl der Räume und
  • die Wohnfläche.

Daten zu Baualter, Bauform, Bauherren/Eigentümern u.a. werden nicht fortgeschrieben.

Aus methodischen Gründen sind in der Fortschreibung außerdem keine Wohnheime enthalten. Eine Berechnung des Bestandes an Wohnheimen und Wohnungen in Wohnheimen kann näherungsweise in geringer regionaler Tiefengliederung aus den Angaben der Gebäude- und Wohnungszählung 1987 bzw. 1995 und den Ergebnissen der fortlaufenden Bautätigkeitsstatistik (Fertigstellungen und Abgänge) ermittelt werden.

Bedeutung und Problem der Bestandsstatistik

Daten über den Wohnungsbestand sind für wohnungspolitische Überlegungen und Planungen der Bauwirtschaft von hoher Bedeutung. Die amtliche Bestandsfortschreibung ist hier sicherlich eine große Hilfe und bietet ein wichtiges Mengengerüst (zu Einschränkungen s.u.).

Leider umfasst sie jedoch bei weitem nicht alle Merkmale, die für die Beurteilung des Wohnungsmarkts wichtig wären. Dazu gehören z.B. Angaben

  • zu Ausstattung, Bau- und Modernisierungszustand
  • zu Heizungsart, energetischem Standard
  • zu Eigentümern und Mietern
  • zu Mieten und Nebenkosten etc.

Solche Merkmale werden stichprobenartig in anderen Statistiken erhoben, z.B.

  • alle vier Jahre für eine 1-Prozent-Stichprobe im Rahmen des Mikrozensus ("Gebäude und Wohnungsstichprobe", GWS).
  • für die Stichproben des Sozioökonomische Panel (SOEP) des DIW
  • im Rahmen von Mieter- oder Bewohnerbefragungen, wie der Mieterbefragung NRW der NRW.BANK

Diese Daten lassen sich aber nicht mit der amtlichen Bestandsfortschreibung verknüpfen.

 

Darüber hinaus werden immer wieder Zweifel an der Richtigkeit des durch die Fortschreibung ermittelten Mengengerüsts laut. Je mehr Zeit seit der letzten Totalzählung vergeht, desto stärker können sich systematische Fehler, d.h. Abweichungen zum tatsächlichen Wohnungsbestand, kumulieren. Sie entstehen hauptsächlich durch

  • die nur unvollständig erfassbaren Abgänge (s. Bauabgangsstatistik), z.B. auf Grund von Wohnungszusammenlegungen und nicht gemeldeten Zweckentfremdungen

  • die möglicherweise leicht untererfassten Fertigstellungen (s. Bautätigkeitsstatistik).


Welche Abweichungen sich seit den letzten Großzählungen aufsummiert haben, wird sich erst bei der nächsten Totalerhebung im Zensus 2011 erweisen.

Datenverfügbarkeit

Die Daten sind jährlich (mit Stichtag 31.12. des Vorjahres) verfügbar. Die Statistik des Bundesamts hat als kleinste räumliche Einheit die Gemeindeebene.

Viele Gemeinden verfügen über eine eigene kommunale Fortschreibung in der Gebäudedatei. Diese Daten stehen manchmal auch kleinräumig zur Verfügung.