Kommunale oder Landes-Daten?

Welchen Datenquellen soll man den Vorzug geben?

 

Beginnt man zu überlegen, welche Daten und Indikatoren sich für die eigene Wohnungsmarktbeobachtung am besten eignen, stellt sich oft schon eine Frage:

Soll ich, wenn ich die Auswahl habe, die kommunalen oder die amtlichen Daten des Landes verwenden? Bei vielen Daten und Indikatoren hat man diese Alternative, z.B. bei

  • Bevölkerung inkl. Wanderungsbewegungen (kommunales Melderegister vs. amtliche Bevölkerungsstatistik);
  • Bautätigkeit inkl. Genehmigungen und Bauabgänge (Daten der kommunalen Bauordnung vs. amtliche Daten des Landes);
  • Wohnungsbestand (amtl. Bestandsfortschreibung vs. - falls vorhanden - eigene kommunale Bestandsfortschreibung/Gebäudedatei);
  • ähnlich: bei unterschiedlichen kommunalen und überregionalen Bevölkerungs-, Haushalts- oder Wohnungsnachfrageprognosen.

 

Bei der Entscheidung sind einige Punkte zu beachten:

  • Viele Daten - zumindest Bautätigkeit und Bevölkerungsstatistik - fußen auf denselben Zahlen, die die Kommunen sammeln und an die statistischen Landesämter weiterleiten. Die Abweichungen beruhen auf Unterschieden bei den Meldezeiträumen, der Überprüfung der Daten und der Art der Fortschreibung.
  • Landesdaten sind zuverlässig, d.h. regelmäßig und in gleichbleibender Form verfügbar, während die Verfügbarkeit in den Kommunen auch von der momentanen Personalkapazität des zuständigen Bereichs abhängt.
  • Dafür sind kommunale Daten meist früher verfügbar; die statistischen Landesämter veröffentlichen gemeindescharfe Daten erst dann, wenn alle Kommunen ihre Daten gemeldet haben und diese überprüft/aufbereitet sind.
  • Die Daten der Landesämter sind landesweit einheitlich aufbereitet und ermöglichen daher Vergleiche mit anderen Kommunen/Regionen; dies kann gerade in kooperativen regionalen Beobachtungsprojekten sinnvoll sein, wo man Daten für Kommunen ganz unterschiedlicher Größe und Fachkompetenz benötigt.
  • Landesdaten haben durch ihren quasi-amtlichen Status vielleicht ein besseres Standing auch in der politischen Diskussion - zumindest dann, wenn die Qualität der eigenen Daten nicht klar belegt ist. Für Abweichungen müssen sich dann eher die kommunalen Verwaltungen rechtfertigen.
    Wenn die Datenlieferanten in der Kommunalverwaltung und die Wohnungsmarktbeobachtung gut zusammenarbeiten, kann aber auch das Gegenteil passieren: kommunale Daten und Wohnungsmarktbeobachtung können sich gegenseitig stützen. Die Fachstelle macht transparent, wie die Daten zustandekommen; die Wohnungsmarktbeobachtung vergleicht und interpretiert sie. Etwaige Abweichungen zu den Landesdaten werden gemeinsam diskutiert, Fehler können gemeinsam entdeckt und korrigiert werden. Das Ergebnis ist dann eine lokal verankerte Marktbeobachtung auf Basis qualitätsgeprüfter kommunaler Daten.