Haushaltegenerierungsverfahren

Überblick über das Thema

Themenüberblick

Auf dem Wohnungsmarkt ist nicht eine Person, sondern der Haushalt die "Nachfrage-Einheit". Die Wohnungsmarktbeobachtung sollte deshalb die Zahl und Struktur der Privathaushalte kennen und ihre Entwicklung beobachten.

Bekanntermaßen liegt aber genau hierin das Problem: Während aus den Einwohnermelderegistern recht zuverlässige Angaben zur Einwohnerzahl vorliegen, gibt es keinerlei offizielle oder sonstige gültige Daten zu den Haushalten (mehr dazu hier):

  • Die alten Haushaltsdaten der Volkszählung 1987 sind längst überholt. Eine neue Totalerhebung ist nicht geplant, denn auch der Zensus 2011 arbeitet nur mit einer 10-prozentigen-Haushaltsstichprobe.
  • Stichprobenerhebungen wie Mikrozensus oder SOEP liefern zwar immerhin Informationen zur Struktur der Haushalte, aber nicht in der wünschenswerten gemeindescharfen und kleinräumigen Differenzierung.

Daten zur genauen Anzahl der Haushalte sind also nicht verfügbar, schon gar nicht auf kleinräumiger Ebene. Um diese Datenlücke zu schließen, hat die Statistik Methoden entwickelt und getestet, die die Haushaltszahl schätzen. Sie werden Haushaltegenierierungsverfahren genannt. Seit Ende der 90er Jahre haben sie eine immer breitere Anwendung gefunden. Ausgangsbasis sind meist die Einwohnermelderegister, teilweise ergänzt um Daten aus anderen Statistiken.

 

Die AG Methoden hat sich bereits mehrmals mit dem Thema beschäftigt. Dort wurden die gängigen Verfahren vorgestellt und versucht, die Qualität der generierten Daten und ihren Nutzen für die Wohnungsmarktbeobachtung einzuschätzen. Diskutiert wurde auch darüber, welche Perspektiven es für die Einführung von Haushaltsgenerierungsverfahren in den Kommunen gibt (Kosten, Aufwand, Nutzen für andere Bereiche). Die AG empfiehlt die Anwendung dieser Verfahren in den Kommunen.

Aktuell gibt es zwei kommunale Modelle:

  • das Modell des KOSIS-Verbundes (HHGen), genutzt u.a. in Köln, Duisburg, Oberhausen, Essen, Bielefeld, Bochum und Herne. Es wird vom KOSIS-Verbund, einer Gesellschaft kommunaler Statistikstellen, kontinuierlich weiterentwickelt. Kommunen können entweder die Software erwerben oder die Generierung gleich beim KOSIS-Verbund durchführen lassen.
  • das Mülheimer Modell (HGen/SPSS), das in Mülheim an der Ruhr entwickelt wurde, aber auch als Dienstleistung für andere Städte (Hagen, Leipzig) angeboten wird.

Beide Modelle werden in der Dokumentation der AG Methoden (2. Treffen und 3. Treffen) beschrieben. Das KOSIS-Modell wird außerdem in einem umfangreichen Gutachten für den KOSIS-Verbund detailliert dargestellt. Seine Anwendung in der Stadt Freiburg i.B. ist hier beschrieben.

 

Weitere Haushaltegenerierungsverfahren werden genutzt

  • im registergestützten Zensus 2011: Eine kurze Beschreibung des Ansatzes findet sich im Zensus-Vortrag von IT.NRW auf der Frühjahrstagung 2011 des Forum KomWoB
  • im Rahmen von Haushalteprognosen, die aus Bevölkerungsprognosen basieren. Näheres dazu z.B. in der Arbeitshilfe Wohnungsnachfrageprognosen des Forum KomWoB (hier)