Statistik der Bauabgänge

Beschreibung der Datengrundlage

 


Die Bauabgangsstatistik ist Teil der amtlichen Bautätigkeitsstatistik des Statistischen Bundesamts.

Was wird erfasst?

Die amtliche Statistik erfasst alle Abgänge aus dem Gebäude- und Wohnungsbestand, für die eine Bau- bzw. Abrissgenehmigung erforderlich ist oder eine sonstige Meldepflicht besteht.

Dazu gehören

  • Nutzungsänderungen (vom Wohn- zum Nichtwohngebäude oder umgekehrt), die im Regelfall genehmigungsbedürftig sind, weil sich die Baugenehmigung nur auf eine bestimmte Nutzung bezieht 
  • Schadensfälle, etwas bei Brand, Überschwemmung, Einsturz, sowie bauaufsichtliche Maßnahmen wie Schließungen wegen Einsturzgefahr
  • Abbrüche von Gebäuden oder einzelnen Wohnungen, z.B. wenn ein Gebäude komplett abgerissen, durch ein neues ersetzt oder umgebaut wird. Dazu gehören auch Bestandsverluste durch die Zusammenlegung mehrerer Wohnungen.

Erfasste Merkmale

Erfasst werden u.a. folgende für die Marktbeobachtung relevante Merkmale

  • Art des Gebäude (Wohn-, Nicht-Wohngebäude, Wohnheim)
  • Alter des Gebäudes (in Baualtersklassen)
  • Art des Eigentümers (analog zu den Baugenehmigungen)
  • Art und Grund des Abgangs: Nutzungsänderung oder Abbruch, Gründe
  • Größe des Abgangs (Wohnfläche, Nutzfläche, Raumzahl)

Bedeutung der Statistik

  • Die Abgänge fließen in die amtliche Fortschreibung des Gebäude- und Wohnungsbestands ein.
  • Sie dienen, etwa im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost, als Kontrollgröße für die Umsetzung der Rückbauziele.
  • in Wohnungsbedarfsprognosen werden die Abgangsquoten - zusammen mit anderen Faktoren wie etwa dem Baualter - verwendet, um den "Ersatzbedarf", also den durch Abgänge entstandenen Neubaubedarf zu ermitteln.

Probleme der Datenqualität

Als Hauptproblem der Bauabgangsstatistik gilt die (vermutlich) beträchtliche 'Dunkelziffer' der Wohnungsabgänge, die statistisch nicht erfasst werden. Gemutmaßt wird zum einen, dass meldepflichtige Fälle oft nicht gemeldet werden, zum anderen gibt es aber für viele Vorgänge, durch die Wohnungen vom Markt verschwinden, keine Meldepflicht. Hier einige Beispiele:

  • In einigen Bundesländern gibt es "Bagatellgrenzen" für die Anzeigepflicht eines Abbruchs. Besonders Ein- und Zweifamilienhäuser können unterhalb dieser Grenze liegen, so dass in diesem Teilmarkt weniger Abrisse erfasst werden als tatsächlich erfolgen.
  • Es wird immer wieder vermutet, dass Wohnungsabgänge durch Zusammenlegung mehrerer Wohnungen oft nicht gemeldet und daher nicht erfasst werden - obwohl diese wegen der Eingriffe in die Statik, etwa bei Wanddurchbrüchen, in der Regel genehmigungspflichtig sind.
  • Bei der letzten Gebäude- und Wohnungszählung (1987) wurde deutlich, dass viele Eigenheime mit Einliegerwohnungen in der Statistik als Zweifamilienhäuser geführt wurden, obwohl die Einliegerwohnung inzwischen von den Bewohnern der Hauptwohnung mitgenutzt wurde und dem Markt gar nicht mehr zu Verfügung stand. Typisch wäre etwa der Fall, wenn im Haus lebende (Groß-)Eltern versterben und die Familie die Wohnung entweder als Wohnung für die jugendlichen Kinder oder gar nicht nutzt, aber auch nicht an Außenstehende vermieten möchte.
  • Seit das Zweckentfremdungsverbot von Wohnraum in vielen Bundesländern aufgehoben ist, heißt es, dass vor allem in guten Innenstadtlagen mehr Wohnungen zu Büros/Praxen etc. umgenutzt werden, ohne dass dies gemeldet wird. 
  • Ähnliches wird in Einzelhandelslagen vermutet, wo vorhandene Wohnungen in den oberen Etagen offenbar gar nicht mehr auf dem Markt angeboten werden, weil die Kosten für eine separate Vermietung höher wären als die zu erzielende Miete und der Eigentümer sich lieber auf die Vermietung der Einzelhandelsflächen konzentriert. 
  • Insbesondere in Städten mit viel Fremdenverkehr sollen innenstadtnahe Wohnungen häufig "unter der Hand" als Ferienwohnungen/ Fremdenzimmer vermietet werden.

 

Nach den Erfahrungen der letzten Gebäude- und Wohnungszählung (GWZ) geht man davon aus, dass die offizielle Statistik - die seither nicht verändert wurde - im Bundesdurchschnitt lediglich ein Viertel der tatsächlichen Verluste erfasst. Das würde sich in einer entsprechenden Überschätzung des Wohnungsbestands niederschlagen.

Für die Wohnungsmarktbeobachtung kann man grob einschätzen, wie hoch der Fehler schlimmstenfalls sein könnte, die erfassten Abgänge seit der letzten GWZ (West: 1987, Ost: 1995) mit 4 multipliziert. Eine genauere Methode hat das IWU entwickelt (s. Link unten).

Datenverfügbarkeit

Die Daten sind jährlich verfügbar.

In der amtlichen Statistik des Statistischen Bundesamtes liegen die Daten auf Ebene der Gemeinden (und höher) vor. 

Da die kommunalen Bauordnungsämter über die Objektadressen verfügen, können die Städte die Daten - theoretisch - auch kleinräumig auswerten.

Links

Der Qualitätsbericht zur Bauabgangsstatistik des Statistischen Bundesamts gibt eine Übersicht über die Erhebungsverfahren und Verfügbarkeit. Die Erhebungsbögen sind angehängt.

IWU-Methode zur Einschätzung der tatsächlichen Höhe der Abgänge